Schuldgefühle verstehen – warum sie entstehen und warum sie bleiben können
Schuldgefühle verstehen - Psychotherapie in Maisach, Fürstenfeldbruck und Umgebung
Schuldgefühle gehören zu den Erfahrungen, die das eigene Leben über lange Zeit begleiten können. Sie entstehen nicht immer in dem Moment, in dem etwas geschieht, sondern häufig erst später, wenn ein Mensch auf eine Situation zurückblickt und sie aus der Perspektive der Gegenwart bewertet.
In der ICD-10, der derzeit in Deutschland gültigen Klassifikation psychischer Störungen, werden Schuldgefühle unter anderem im Zusammenhang mit depressiven Entwicklungen beschrieben. Gleichzeitig sind Schuldgefühle ein grundlegendes menschliches Phänomen, das eng mit Selbstwahrnehmung, Verantwortung und Beziehung verbunden ist.
Schuld kann sich auf konkrete Handlungen beziehen, aber auch auf Situationen, in denen man nichts getan hat. Gerade dieses Nichthandeln wird im Nachhinein häufig besonders belastend erlebt, weil es sich nicht mehr verändern lässt.
Im Alltag zeigt sich Schuld nicht nur in Gedanken, sondern oft auch körperlich, etwa durch Anspannung, innere Unruhe oder ein Gefühl von Druck im Brustraum. Diese Reaktionen entstehen nicht willentlich, sondern stehen im Zusammenhang mit der emotionalen Verarbeitung von Erinnerung und Beziehung.
Schuld gehört zu den selbstbezogenen Emotionen und wird in der ICD-10 unter anderem als mögliches Symptom im Zusammenhang mit depressiven Entwicklungen beschrieben.
Schuld entsteht im Zusammenhang mit der Fähigkeit des Menschen, das eigene Verhalten zu reflektieren und es in Beziehung zu den eigenen Werten und zu anderen Menschen zu setzen. Während grundlegende Emotionen wie Angst oder Überraschung vor allem auf unmittelbare äußere Reize reagieren, setzt Schuld ein gewisses Maß an Selbstwahrnehmung voraus. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Frage, wie ein Mensch sich selbst sieht und welche Verantwortung er sich selbst zuschreibt.
Warum wir Schuldgefühle oft im Körper spüren
Emotionale Erfahrungen werden nicht ausschließlich als Gedanken gespeichert. Psychologische und neurobiologische Forschung beschreibt, dass Erinnerungen mit körperlichen Reaktionen verbunden sein können. Das autonome Nervensystem spielt dabei eine wichtige Rolle, weil es Prozesse wie Herzschlag, Muskelspannung und Stressreaktionen reguliert.
Wenn sich jemand an eine Situation erinnert, die mit Schuld verbunden ist, kann der Körper ähnlich reagieren wie in der ursprünglichen Situation. Dadurch kann sich das Erleben gegenwärtig anfühlen, auch wenn das Ereignis längst vergangen ist.
Schuldgefühle nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen
Schuldgefühle können besonders stark sein, wenn sie mit Erfahrungen verbunden sind, in denen ein Mensch sich ohnmächtig, überfordert oder emotional allein gefühlt hat. In solchen Situationen ist der tatsächliche Handlungsspielraum häufig eingeschränkt.
Erst später entsteht oft der Eindruck, dass eine andere Handlung möglich gewesen wäre. Diese rückblickende Bewertung berücksichtigt jedoch nicht immer die emotionalen und körperlichen Zustände, die in der ursprünglichen Situation vorhanden waren.
Im Zusammenhang mit Entwicklungstrauma oder anderen belastenden Erfahrungen kann Schuld das Selbstbild beeinflussen und die Art, wie ein Mensch sich selbst wahrnimmt, mitprägen. Sie zeigt sich dann nicht nur in einzelnen Gedanken, sondern kann beeinflussen, wie ein Mensch sich selbst sieht und bewertet.
Manchmal entsteht daraus ein sehr kritischer Umgang mit sich selbst oder der Versuch, Fehler in Zukunft unbedingt zu vermeiden. In manchen Fällen kann Schuld auch mit Rückzug, erhöhter Kontrolle oder mit Strategien verbunden sein, die helfen sollen, innere Spannung vorübergehend zu regulieren, etwa durch Alkohol, Essen oder andere Formen der kurzfristigen Entlastung.
Schuld und Ohnmacht stehen häufig in engem Zusammenhang
Ein besonders wichtiger Aspekt ist der Zusammenhang zwischen Schuld und Ohnmacht. In Situationen, in denen ein Mensch sich ausgeliefert oder überfordert fühlt, ist der Handlungsspielraum oft stark eingeschränkt. Dennoch kann im Nachhinein das Gefühl entstehen, dass eine andere Handlung möglich gewesen wäre.
Dieses Phänomen ist in der psychologischen Forschung beschrieben. Menschen können dazu neigen, sich selbst Verantwortung zuzuschreiben, auch wenn ihre tatsächlichen Einflussmöglichkeiten eingeschränkt waren (Herman, 1992).
In der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-11) wird beschrieben, dass nach traumatischen Erfahrungen eine anhaltend negative Selbstwahrnehmung entstehen kann, die mit Gefühlen von Schuld verbunden sein kann (WHO, 2019). In der derzeit in Deutschland gültigen ICD-10 wird Schuld ebenfalls im Zusammenhang mit traumabezogenen Störungen und depressiven Erkrankungen beschrieben.
Wie Schuld den Alltag beeinflussen kann
Schuld bleibt nicht immer auf der Ebene der Erinnerung. Sie kann sich auch darin zeigen, wie ein Mensch mit sich selbst umgeht. Dazu gehört eine ausgeprägte Selbstkritik, ein starker Anspruch an das eigene Verhalten oder der Versuch, Fehler in Zukunft unbedingt zu vermeiden.
Manchmal zeigt sich Schuld auch indirekt, etwa in einem Rückzug aus Beziehungen, in einem erhöhten Kontrollbedürfnis oder in Verhaltensweisen, die helfen sollen, innere Spannungen zu regulieren. Dazu kann auch ein erhöhter Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen gehören, wenn diese vorübergehend zu einer Entlastung beitragen. Studien zeigen, dass Schuld und Selbstkritik mit einem erhöhten Risiko für solche Bewältigungsstrategien verbunden sein können, insbesondere wenn keine andere Möglichkeit zur emotionalen Verarbeitung vorhanden ist.
Schuld ist Teil der menschlichen Fähigkeit zur Verantwortung
Trotz ihrer Belastung hat Schuld eine wichtige psychologische Funktion. Sie ist eng mit moralischem Empfinden, Verantwortungsbewusstsein und Empathie verbunden. Ohne die Fähigkeit, Schuld zu empfinden, wäre es kaum möglich, soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten oder das eigene Verhalten zu reflektieren.
Gleichzeitig kann Schuld belastend werden, wenn sie dauerhaft bestehen bleibt und nicht mehr im Zusammenhang mit der aktuellen Realität steht. In solchen Fällen bleibt der Mensch innerlich mit einer vergangenen Situation verbunden, obwohl sie äußerlich längst abgeschlossen ist.
Das Verstehen dieser Zusammenhänge kann ein wichtiger Schritt sein, um Schuld nicht nur als persönliches Versagen zu betrachten, sondern als Teil einer komplexen psychischen Reaktion, die im Zusammenhang mit Beziehung, Verantwortung und Erinnerung steht.
Psychotherapie bei Schuldgefühlen in Maisach und Fürstenfeldbruck
In meiner Praxis für Psychotherapie in Maisach bei Fürstenfeldbruck begleite ich Menschen, die belastende Schuldgefühle erleben oder deren Selbstbild durch frühere Erfahrungen geprägt ist.
Eine Psychotherapie kann dabei unterstützen,
die Entstehung von Schuldgefühlen besser zu verstehen
die eigene Lebensgeschichte einzuordnen
und einen eigenen Umgang mit belastenden Erinnerungen zu entwickeln.
Meine Praxis liegt in Maisach und ist gut erreichbar aus:
Fürstenfeldbruck, Olching, Gröbenzell, Mammendorf, Puchheim, Germering und Dachau.
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit sind Ge(h)spräche in der Natur©. Dabei können psychotherapeutische Gespräche in Bewegung und in der natürlichen Umgebung stattfinden.
Fazit: Schuldgefühle verstehen und einordnen
Schuldgefühle sind eine menschliche emotionale Reaktion, die eng mit Beziehung, Verantwortung und Erinnerung verbunden ist. Sie können sich auf Handlungen und Nichthandlungen beziehen und sowohl psychisch als auch körperlich erlebt werden.
Besonders nach belastenden Erfahrungen können Schuldgefühle lange bestehen bleiben und das eigene Selbstbild beeinflussen.
Ein besseres Verständnis dieser inneren Prozesse kann ein wichtiger Schritt sein, um Schuldgefühle einzuordnen und ihren Zusammenhang mit der eigenen Geschichte zu erkennen.
Eine Psychotherapie kann dabei unterstützen, diese Zusammenhänge zu verstehen und neue Perspektiven im Umgang mit belastenden Gefühlen zu entwickeln.